Urlaub auf den Philippinen

Welchen Wert fünf Euro haben können

Im Jahr 2004 flog ich mit meiner Familie auf die Philippinen in den Urlaub. Die Tatsache, dass erst im Dezember 2003 der mutmaßliche Drahtzieher des Geiseldramas um die Göttinger Familie Wallert gefasst wurde, war mir dabei egal und machte mir keinerlei Sorgen.

Zu Beginn unseres Urlaubs waren wir in einem Luxushotel in der Stadt untergebracht. An allen Eingängen des Hotels sah man Sicherheitspersonal, was mich anfangs aber nicht störte. Den ersten Abend gingen wir zum Essen in das hoteleigene Restaurant. Das Essen war gut und das Personal freundlich. Wir beschlossen, die Rechnung, die sich umgerechnet auf circa 45 Euro belief, sofort in bar zu begleichen. So wie ich von meiner Mutter gelernt habe, ließ ich in Restaurants und Cafes immer ein Trinkgeld von rund 10% zurück. So tat ich es auch diesmal, was zu einem unerwarteten Aufruhr führte. Der Kellner freute sich riesig über das Trinkgeld. Ich habe ehrlich gesagt nie zuvor einen Menschen gesehen, der sich so über fünf Euro freut. 

Bei einer unserer Fahrten mit dem Taxi durch die Stadt erfuhren wir dann von einem netten Taxifahrer, dass das Einkommen der arbeitenden Bevölkerung bei circa 150 Euro pro Monat liegt. Daher auch der Freudenausbruch über die fünf Euro, ein ganzes Tagesgehalt sozusagen, dachte ich. 

Wenige Tage später verließen wir das Hotel, da ich es vorzog, in einer kleinen Hotelanlage auf einer Insel den restlichen Urlaub zu verbringen. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, aus einem luxuriösen mit viel Sicherheitspersonal gesichertem Hotel zu kommen und direkt vor der Tür das Elend und die Armut der Bevölkerung zu spüren. Irgendwie kann man auf diese Art und Weise seinen Urlaub nicht mehr genießen. Mit Sicherheit hat dieses Erlebnis einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und zu einem Umdenken in Sachen Urlaub, Hotelunterkunft und Geld geführt. Inzwischen lege ich keinen Wert mehr auf luxuriöse Unterkünfte, sondern versuche, den Einheimischen beim Urlaub so nah wie möglich zu kommen, um das Land so kennenzulernen, wie es tatsächlich ist und nicht, wie es an die Touristen verkauft wird.

Manuel Meier

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