Ein Kopf hart wie Fels?

Berge, Wiesen und Kühe, soweit das Auge reicht, so stellte ich mir immer das Allgäu vor! Als ich dann zum ersten Mal dorthin kam, musste ich mich fragen, warum denn nicht überall die Kühe waren, und warum war das Vieh in der Werbung denn ausgerechnet lila? – In der Tat gibt es keine lilanen Kühe, und selbst im Allgäu findet man auch Städte, in denen nicht eine einzige Kuh zu leben scheint!

Man blickt an vielen Orten auf in die majestätisch anmutende Bergwelt empor, und des Öfteren begenet dem Wanderer sogar ein Brunnen, dessen Wasser nahezu eiskalt dahinplätschert. Die Welt von Heidi ist voller Wunder, von den Tannenwäldern bis hin zum Bergglühen! Auch wenn die Realität heute leider nicht mehr ganz so ruhig aussieht wie in Märchen, die in einer Zeit vor fast zweihundert Jahren spielen, hat die Welt der Alpen deshalb etwa für mich ihren Charme verloren? – Nein, der Zauber der Berge ist nämlich damals wie heute eindrucksvoll präsent!

Ob die deutsche Partnachklamm sich wirklich als kleiner Bruder des amerikanischen Grand Canyons verstehen lässt, hängt sicher hauptsächlich vom Betrachter ab! Sicher ist mir aber, dass in beiden Schluchten die Natur uns eindrucksvoll zeigt, wie flüssiges Wasser sich durch festen Stein regelrecht fräsen kann. Sind Naturschauspiele wie dieses nicht auch einer Gründe, warum wir immer wieder ehrfürchtig erkennen, wie sehr der Vater im Himmel uns allen einen wundersamen Platz bereitet hat, an dem wir wieder und wieder aufs Neue die Welt und uns selbst verstehen lernen können?

Ich habe mir diese Gedanken gleichfalls gemacht, und so bin ich letzes Jahr dann nach Garmisch gefahren! Man sollte es nicht für möglich halten, aber als ich beginne, so ganz entspannt durch die Klamm zu laufen, da trifft mich auf einmal der Schlag und ich gehe zu Boden … . Ich will wissen, wer das war! Dann sehe ich den lachenden Felsvorsprung an der Decke und frage ihn mürrisch: “Na, Du harter Felsen, mein Kopf ist härter als Du! Glaubst Du, ich finde Dein Böckchenspiel wirklich witzig?”. Der Felsen erschien davon jedoch unbeeindruckt und zeigt mir weiter die kalte Schulter … .

Ich stehe also wieder auf und gehe von nun an einfach bedächtiger vorwärts. Was war das nur für ein Tag? Am Abend ging ich zwar letztlich mit hämmernden Kopfschmerzen ins Bett, und dennoch fühlte ich mich ansonsten gut, denn bis auf den Zusammenstoß mit dem Felsen war der Tag super! Ein tolles Essen, frische Luft, viele nette Leute und ein weiches Bett, in das ich mich am Ende hineinfallen lassen konnte, was soll ich mich da beklagen, einzig wegen einer Beule?

 

Ulrich Zimmer

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