Eine Nacht im Schnee

Während meines Sportstudiums musste ich auch das Seminar Erlebnispädagogik absolvieren, um den benötigten Leistungsschein zu erhalten. Das Seminar war ehrlich gesagt recht langweilig, jedoch unternahmen wir zum Abschluss des Semesters mit den ganzen Seminarteilnehmern einen Wochenendausflug .

An einem Freitag Nachmittag trafen wir also alle in der etwas alternativen Unterkunft für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene irgendwo in Thüringen ein. Das Hauptgebäude war einfach, aber ganz nett eingerichtet und das wunderschöne Umfeld mit Indianerzelten etc. wartete auf die Teilnehmer der nächsten Jugendfreizeit. Dort angekommen, bereiteten wir unser Nachtlager und unsere Rücksäcke für den nächsten Tag vor, denn logischerweise gab es dort keine Betten. Zum Abendessen gab es Spaghetti, was sonst?! Wir schliefen alle in Schlafsäcken auf einem erhöhten Podest. Ich verfügte weder über Wanderschuhe noch über einen Rucksack und bekam beide Dinge dann von Anderen geliehen. Zum Glück, denn die Tasche, die ich dabei hatte, hätte ich sicherlich nicht das ganze Wochenende rumschleppen können. 

Am ersten Tag ging es quer durch den Thüringer Wald. Wir waren den ganzen Tag unterwegs, spielten  verschiedene Gruppen- und Vertrauensspiele und schlugen dann bei Dämmerung unser Lager auf. Eine Gruppe spannte in circa 0,60m Höhe zwei große Planen zwischen den Bäumen, während sich die andere Gruppe ums Lagerfeuer kümmerte. Nachdem die schützenden Planen angebracht waren, legte jeder seinen Schlafsack unter die Planen und man empfahl uns, uns nachts nicht zu dick anzuziehen. Zwei drei dünne Bekleidungsschichten wären viel besser, als dicke Pullover. Vor dem Schlafen gehen, spielten wir rund ums Lagerfeuer sitzend noch ein spannendes Detektivspiel und saßen dort bis spät in die Nacht, schließlich war es dort auch sehr warm.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, lag doch tatsächlich eine dünne Schneeschicht. Einige der Teilnehmer wachten in nassen Schlafsäcken auf, ich hatte jedoch Glück, weil ich sehr weit hinten gelegen war, kann aber nicht grad behaupten, dass ich gut geschlafen hätte. Der Waldboden war für meine Begriffe viel zu hart. Wir packten also schnell zusammen und begaben uns dann auf den Weg zum Fluss. Unterwegs machten wir noch eine Mutprobe. Mit Sicherheitsgurt befestigt, liefen wir einzeln mit Hilfe von zwei Drahtseilen, die übereinander gespannt wurden, über eine Schlucht. Dummerweise war ich der Meinung gewesen, dass ich keine Handschuhe benötigen würde. Ein großer Fehler, wie sich herausstellte, denn als ich auf der anderen Seite ankam, schmerzten meine Finger höllisch, ich hätte am Liebsten laut geschrien. Erst das Einreiben meiner Hände mit dem eiskalten Schnee führte zur Durchblutung und dem Nachlassen des Schmerzes.

Am Fluss angekommen, warteten dort zwei kleine aufblasbare Boote mit Rudern auf uns. Als wir eine Weile unterwegs waren, bemerkte die andere Gruppe, dass ihr Boot undicht war und bis zur Ankunft füllte sich deren Fortbewegungsmittel auch mit circa 0,20m eiskaltem Wasser. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass meine Schuhe innen auch feucht waren, aber mit Sicherheit nicht klitschnass wie die vieler anderer Teilnehmer. Aber selbst das eindringende Wasser vermochte die gute Stimmung nicht zerstören, so dass wir tatsächlich noch eine Wasserschlacht auf dem Fluss veranstalteten. Ein etwas ungewöhnliches Wochenende und auf seine Art doch einzigartig und unvergesslich.

 

Markus Schmieder

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